Select Page

Französisch-Polynesien: Elend und Glück

Feb 19, 2017

Ich fühle mich elend.

Ich bin in der Südsee – im Paradies. (Man kommt um dieses abgedroschene Wort nicht rum.) Wo, wenn nicht hier, kommt einem der ganze Zwiespalt mit der Reiserei in den Sinn: Der ökologische Fußabdruck, den ich mit meiner Reise und insbesondere mit meinem Trip nach Französisch-Polynesien hinterlasse, trägt zur Abschaffung dieses Paradieses bei. Da hilft es wenig, dass ich das Fliegen auf das absolute Minimum reduzieren wollte.

Wenn ich jetzt noch in aller Öffentlichkeit behaupte, dass man einmal im Leben hier gewesen sein muss, mache ich die Sache nicht besser. So groß die Gewissensbisse auch sind, was ich hier sehe, lässt mich sagen: Allein dafür hat es sich gelohnt. Ich kann nicht glauben, wie schön die Welt sein kann. Wer einmal hier war, muss als anderer Mensch zurück kehren.

Französisch-Polynesien ist durch eine Reihe vulkanischer Eruptionen unter Wasser entstanden. 118 Inseln und / oder Atolle (gut die Hälfte davon ist bewohnt) verteilen sich auf unvorstellbaren 5,5 Millionen Quadratkilometern im pazifischen Ozean und bilden mit einer Landfläche von gerade einmal 3.500 Quadratkilometern insgesamt fünf Archipele: Die Gesellschafts-, Tuamotu-, Gambier-, Austral- und Marquesas-Inseln.

Die für die Atolle typischen Lagunen sind es, worauf ich mich am meisten freue. Sie werden von ringförmigen (meist Korallen-) Riffen umschlossen, die wiederum viele kleine, schmale Inseln, die sogenannten Motus, bilden. Manchmal befinden sich in der Lagune noch Reste eines ehemaligen Vulkangipfels.

Die Faktoren Zeit und Geld helfen bei der Entscheidung, wo genau es hingehen soll. Wenn man dem polynesischen Tourismusamt Glauben schenken darf, handelt es sich bei Tahiti, der Hauptinsel von Französisch Polynesien, um die „Königin der Inseln“. Von der Luft aus macht das grüne, berigige Tahiti auch wirklich was her. In Wahrheit aber ist Tahiti wohl die am wenigsten attraktive unter vielen bildschönen Schwestern. Tahiti dient den meisten daher lediglich als Ausgangspunkt zum Inselhopping. So ähnlich handhabe ich es auch.

Schon der Anflug auf die erste Mini-Insel Maupiti raubt mir den Atem. Die Farben des Wassers sind unbeschreiblich. Der Flughafen dort ist nichts als ein besseres (und vor allem schöneres) Bushäuschen, die Wartehalle befindet sich unter Palmen, direkt an der türkisfarbenen Lagune.

Mit dem Boot geht es zur Pension. Von da aus starte ich zu einer ersten Entdeckungstour. Ich mache einen Spaziergang durch’s hüfthohe kristallklare Wasser und lande eine halbe Stunde später am gegenüberliegenden Motu. Ich fühle mich wie nicht von dieser Welt. Womöglich ist Jesus in Wirklichkeit genau so über’s Wasser gewandelt?

Von Leuten, die gerne alleine unterwegs sind, hört man oft, dass sie sich ausgerechnet da, wo es am schönsten (will wahrscheinlich heißen: am romantischsten) ist, einsam fühlen. Ich weiß nicht, welche Wandlung ich vollzogen habe. Bin ich zum Stoffel mutiert und plötzlich für das Leben auf der einsamen Insel geschaffen? Ich ahne nämlich schon jetzt: Ich werde hier sicher nicht in Depressionen verfallen.

Auf dem Motu stoße ich auf einen Kokosnussbauern, der mir einen Crashkurs in Kokosnusskunde gibt. Ich muss mich durch alle möglichen Sorten durchessen und -trinken. Bevor ich platze, will er mir einen besonders guten Spot zum Schnorcheln zeigen. Wie gut, dass ich meine Ausrüstung auf der anderen Seite am Inselstrand zurück gelassen habe und erst holen muss. Das gibt mir Zeit zu überlegen, ob ich mit dem netten, aber halt doch wildfremden Typen auf einer fernen Insel durch die Gegend planschen will.

Er gibt mir sein Auslegerkanu, oder seine Pirogue, wie es auf polynesisch heißt, um schnell rüber paddeln zu können, Er verschweigt mir, dass es sich dabei um ein echtes Sportgerät handelt, mit dem man eigentlich Lagunenrennen fährt (der Piroguen-Sport ist hier ungefähr so bedeutend wie bei uns der Fußball). Es braucht also einigermaßen Übung, um diese Dinger zu steuern.

Auf halbem Wege gerät das Gefährt aus dem Gleichgewicht, dreht sich um 180 Grad, und ich plumpse ins Wasser. Damit fange ich mir ein weiteres Souvenir in Form einer unschönen Schnittwunde ein. Schlimmer noch ist, dass mein Telefon mit auf den unfreiwilligen Tauchgang gegangen ist, worunter ich später noch zu leiden haben werde. Ich schleppe das mit Wasser voll gelaufene, gemeingefährliche Ding an seiner Schnur hinter mir zurück zum Motu. Die Lust an weiteren Wasseraktivitäten ist mir vergangen.

Schnorcheln und ein Lagooncruise stehen ohnehin für den nächsten Tag auf dem Programm und sind ein echter Knüller: Ich schwimme mit riesigen Mantarochen (drei bis sieben Meter groß, ein bis drei Tonnen schwer; bedroht, weil sie unbeabsichtigt oder aber gezielt, bspw. für die traditionelle chinesische Medizin, gefangen werden). Glücklicherweise folgt erst danach das Picknick auf einem Motu; ich werde mit sensationeller polynesischer Küche (alle Variationen an Kokosnuss) vollgestopft – und genieße das Leben.

Pin It on Pinterest

Share This