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Abstecher nach Argentinien

Apr 25, 2017

Argentinien. Das ist: Tango, Wein, Pampa, Pinguine, Patagonien. Klar, dass das von Anfang an auf meiner Liste steht. Je näher ich diesem Land und damit wohl oder übel auch seinem Preisgefüge komme, desto mehr reift meine Entscheidung, es doch wieder zu streichen. Argentinien ist derzeit einfach nichts für den schmalen Weltreisegeldbeutel. Ein Argentinier, der einen neuen Computer braucht, fliegt dafür besser nach New York und gönnt sich die Übernachtung noch dazu. Das sei immer noch billiger, als in Argentinien auf Shopping-Tour zu gehen, lasse ich mir erklären. Kein Wunder. Die Inflation im letzten Jahr lag bei knapp 27 Prozent.

Dann kann ich der Versuchung aber doch nicht ganz widerstehen. Ich schiebe einen spontanen Abstecher ein. Fünf Tage. Absurd wenig für ein Land von dieser Größe. Und doch genug um zu sagen: An der Rückkehr führt „Don’t cry for me Argentina, I never left you“-mäßig kein Weg vorbei.

Auch wenn mich das System kurzzeitig an meine Grenzen bringt. In dem Land, das vor hundert Jahren einmal zu den reichsten Ländern der Erde gehört hat, in dem die Lebenserwartung höher war als die eines Nordamerikaners, in dem es mehr Telefone und Autos gab als in allen übrigen Ländern Südamerikas zusammen, ist es am Tag meiner Ankunft unmöglich, an Geld zu kommen. Ich befinde mich in einer Stadt mit über einer halben Million Einwohner – und kein einziger Geldautomat macht einen Mucks. Das an meinem Geburtstag, wo ich es mir gut gehen lassen will. Zum Abendessen lande ich in dem weit und breit einzigen Lokal, das Kreditkarten annimmt. Außer mir und meiner französischen Reisebegleitung keine weiteren Gäste… Was für ein Glück, dass der Wein seiner argentinischen Ehre gerecht wird.

Am nächsten Morgen dann die gute Nachricht. Vor den Banken parken Geldtransporter, das lässt auf monetären Nachschub schließen. Allerdings bin ich nicht die einzige, die knapp bei Kasse ist. An sämtlichen Geldautomaten der Stadt stehen sich die Leute die Beine in den Bauch. Gefasst und geduldig. Nach einer guten Stunde Wartens darf ich dann endlich maximal 4000 Pesos (knapp 250 Euro) zu einer Gebühr von 12 Euro abheben. Ich versuche, mir an den anderen ein Beispiel zu nehmen und mich nicht aufzuregen.

Die Landschaft macht meine Missstimmung vergessen. Bereits die Anreise aus Chile war atemberaubend, nun befinde ich mich im Nordwesten, in der Region um Salta, die zu den landschaftlich, historisch und kulturell interessantesten Provinzen zählt. Von dem geringen Anteil an indigener Bevölkerung leben hier die meisten Menschen (die Spanier, von denen in dieser Gegend noch viele Kolonialbauten zu sehen sind, und später die Argentinier haben es geschafft, die über dreißig Ethnien weitestgehend auszurotten), man bewegt sich ständig auf einer Höhe zwischen 3000 und 4000 Metern, zwischen staubigen, aber pittorkesken Wüstendörfern, zwischen Bodegas und Quebradas. Der Anblick der verschieden farbigen und bis zu 600 Millionen Jahre alten Gesteinswüsten, Canyons und Berge stimmt beinahe ehrfürchtig.

Der Wein aus den Degustationen mag meinen Enthusiasmus etwas beflügelt haben, mein Urteilsvermögen hat er jedoch mitnichten beeinträchtigt. Diese Gegend gehört definitiv zu den Highlights meiner Reise.

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